Möglichst hoch soll er sein, der Aufstieg auf der Karriereleiter – für viele Arbeitnehmer ein Sinnbild des finanziellen oder gar sozialen Aufstiegs. Ansehen und Einfluss wachsen, die finanziellen Annehmlichkeiten nehmen zu und die harte Arbeit zahlt sich aus. Doch mit dem Erfolg kommen die Nebenwirkungen: Überstunden werden alltäglicher, die Erwartungen und der Druck steigen, das Privatleben leidet. 

Downshifting – eine Definition

Wer sich dauerhaft überlastet, ausgelaugt oder ausgebrannt fühlt, sollte überlegen, die Reißleine ziehen und seine wöchentlichen Arbeitsstunden zu reduzieren oder eine andere Position zu übernehmen. Dafür gibt es viele Begriffe: Downshifting, Downgrading, Downsizing, Kürzertreten oder der negativ behaftete "Karriereknick". Ziel ist es, durch die langfristige Reduzierung der Arbeitszeit an Lebensqualität zu gewinnen. In diesem Fall ist der vermeintliche Rückschritt ein wichtiger Fortschritt. Warum? Weil Sie Prioritäten setzen und Ihr persönliches Glück über das des monetären und beruflichen Aufstiegs stellen. Im Gespräch mit Ihren Vorgesetzten erklären Sie Ihre Bedürfnisse nach mehr Privatleben und Freizeit. Statt den bisher 40 oder 45 Stunden pro Woche verbringen Sie beispielsweise nur noch 30 Stunden pro Woche in Ihrer Arbeitsstätte. Geringere Stundensätze lassen sich meist problemlos in Schichtpläne integrieren, im Büro kommunizieren Sie Ihre neuen Arbeitszeiten rechtzeitig, sodass Kolleginnen und Kollegen sich darauf einstellen können.

Welche Motive gibt es für Downshifting?

Stress

Stress ist der wohl häufigste Grund, warum sich Arbeitnehmer für einen geringeren Stundensatz entscheiden. Trotz vieler Überstunden bleiben am Ende des Arbeitstages viele Aufgaben liegen und weitere kommen hinzu. Anfallende Aufgaben lassen sich zwar nach hinten verschieben, die Abgabefristen leider nicht. Je höher die Position, desto wichtiger und weitreichender die Entscheidungen, die Sie treffen müssen. Wer unter Dauerstress steht, neigt dazu, den Spaß an seinem Job zu verlieren. Und diesen gilt es um jeden Preis zu bewahren.

Die Gesundheit

Dauerstress macht krank. Auch besonders stressresistente und fleißige Arbeitnehmer haben ihre Grenzen. Zwar machen sie trotz des Drucks einen guten Job, doch "einen guten Job machen" ist nicht gleichzusetzen mit "ihn gerne machen". Nicht selten mündet der permanente (zeitliche) Druck in einem Burnout oder einer Depression. Ein Warnsignal dafür, dauerhaft kürzer zu treten!

Lebenswandel

Im Leben haben Sie alles erreicht: Einen Partner, ein gemeinsames Haus, vielleicht Kinder und einen großartigen Job. Im Idealfall erfüllt Sie Ihre Arbeit, stellt Sie zufrieden und ermöglicht Ihnen finanzielle Sorglosigkeit. Und obwohl alles „rund“ läuft, haben Sie das Gefühl, immer seltener Zeit für sich und Ihre Liebsten zu haben. „Downshifter“ entscheiden sich bewusst für mehr Zeit mit der Familie und Hobbys. Sie tauschen den Blick auf den Bildschirm gegen den Blick in die Natur und setzen Sie bewusst neue Prioritäten.

Downshifting stößt auf Unverständnis

Freiwillig auf die nächste Beförderung verzichten, weniger arbeiten, weniger Einkommen und ein vermeintlich schwindendes Ansehen im Job? Klingt für Außenstehende suspekt und trifft größtenteils auf Unverständnis. Obwohl es auf dem Arbeitsmarkt eine Vielzahl an Vertragsmodellen gibt, ist der bewusste Rückschritt auf der Karriereleiter für Arbeitgeber nicht immer nachvollziehbar. Downshifter gelten häufig als nicht belastbar, faul oder sogar psychisch krank. Dabei verfügen Downshifter über wertvolle Potenziale. Sie wissen, worauf Sie Wert legen, was Sie motiviert und Freude bereitet. Damit können Arbeitgeber sichergehen, dass sie zu 100 Prozent hinter ihrer Entscheidung stehen. Wer als Arbeitgeber seine besten Mitarbeiter aufgrund ihres Downshifiting-Wunsches ziehen lässt, verliert fachliches Know-How und gewissenhafte, selbstreflektierte Persönlichkeiten.

Arbeitszeitmodelle bei persona service

Jeder Arbeitnehmer und jede Arbeitnehmerin steht nicht nur beruflich vor Herausforderungen. Auch im Privatleben ergeben sich Dinge neu, Umstände ändern sich und mit ihnen Bedürfnisse. Deshalb bieten wir verschiedene Arbeitsmodelle und wöchentliche Stundensätze an, denn eine 40-Stunden-Woche passt nicht zu jeder Lebenssituation. Dafür gibt es im Unternehmen feste Ansprechpartner, an die sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vertrauensvoll wenden können. Gemeinsam wird dann nach Lösungen gesucht, die zu den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern passen. In unserem Unternehmen gibt es bereits viele Beispiele für „Downgrading“ – wir haben damit keine negativen Erfahrungen gemacht. Im Gegenteil: Um gut zusammenarbeiten zu können, müssen beide Seiten zufrieden sein.

Ein konkretes Beispiel sind unsere Kolleginnen und Kollegen, die in der Pflege arbeiten. Hier bieten wir maximale Flexibilität an: Als Pflegekraft haben die volles Mitsprachrecht bei der Gestaltung Ihres Dienstplans.

Dienstpläne können oft angepasst werden.

Downshifting umsetzen oder: Den Gedanken Taten folgen lassen.

  1. Bewerten Sie Ihre finanzielle Situation – realistisch!
    Berechnen Sie Ihre monatlichen Fixkosten. Können diese auch mit einem geringeren Einkommen noch ausreichend gedeckt werden? Von der gesetzlichen Rentenversicherung können sie zudem einen Versicherungsverlauf einfordern sowie eine aktuelle Rentenauskunft. Nur so können Sie langfristig planen und sind vor bösen finanziellen Überraschungen im Alter gefeit.
     
  2. Senkung der Arbeitszeit ist ein Prozess
    Angenommen, Sie halbieren Ihre Arbeitszeit auf 20 Stunden, Ihr Chef erwartet aber eine Anwesenheit von mindestens 25 Stunden: Stellen Sie sich auf Verhandlungen ein und seien Sie flexibel. Downshifting ist ein sich entwickelnder Prozess.
     
  3. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Chef
    • Setzen Sie ein Meeting von angemessener Dauer an.
    • Sprechen Sie offen und direkt über den Wunsch, eine bessere Work-Life-Balance zu wollen.
    • Liefern Sie im Gegenzug konkrete Beispiele, wie Entlastung geschaffen werden kann. Vielleicht bringt zum Beispiel die Abgabe der Teamleitung die nötige Entlastung?
    • Stellen Sie klar, dass Sie nicht resignieren, sondern andere Prioritäten setzen. Der Job bereitet Ihnen nach wie vor Freude.
    • Als Alternative können Sie nach einer Beschäftigung im Unternehmen fragen, die Ihren Qualifikationen entspricht, aber ein geringeres Stundenpensum und Gehalt erfordert.
    • Geben Sie Ihrem Chef Bedenkzeit und stellen sich ggf. auf Verhandlungen und Gegenangebote ein.
    • Die Verhandlungsergebnisse sollten in einem neuen Arbeitsvertrag festgehalten werden.
    • Ihr Vorgesetzter blockt ab? Dann sollten Sie als nächsten Schritt einen Jobwechsel in Erwägung ziehen.

Downshifting – ein Begriff, viele Facetten

Es bedarf einer großen Portion Mut und Entschlossenheit, die nächste Beförderung auszuschlagen, sich finanziell einzuschränken und dafür mehr Lebensqualität zu gewinnen. Downshifting hat viele Subfacetten: Sabbatical, Halbtagsjob oder Homeoffice. Egal, für welche Variante Sie sich entscheiden, im Vordergrund stehen immer das individuelle Glück und die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben.

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